J. S. Bach: Zerreißet, zersprenget, zertrümmert die Gruft (BWV 205)
Dramma per musica: "Der zufriedengestellte Aeolus"

Bach componeerde de wereldse cantate BWV 205 in opdracht van Leipziger studenten, die hem uitvoerden voor het huis, Katharinenstraße 2, van de populaire hoogleraar Dr August Friedrich Müller (1684 – 1761), rechtsgeleerde en filosoof, op zijn naamdag, 3 augustus 1725. De tekst werd geschreven door Bachs trouwe librettist Picander, pseudoniem voor de postbeambte Christian Friedrich Henrici. Toen Bach negen jaar later de muziek van een nieuwe tekst voorzag ten behoeve van BWV 205a, de cantate Blast Lärmen, ihr Feinde! Verstärket die Macht ter gelegenheid van de kroning van de Saksiche keurvorst tot koning August III van Polen, kon hij de tekst van het laatste, aan de jubilaris gewijde deel dus ongewijzigd laten.

Aeolus, in de Griekse mythologie de heerser over de winden, verheugt zich na de zomer op de ravage die zijn winden op de aarde zullen aanrichten. De westenwind, Zephyrus, smeekt hem om uitstel, Pomona, de godin van de boomvruchten en Pallas Athene, de godin van de wijsheid, sluiten zich daarbij aan. Pas als Aeolus begrijpt dat het vandaag de feestdag is van August Müller, willigt hij hun verzoek in en iedereen viert feest.
Litt.: Szymon Paczkowski: A Polonaise Duet for a Professor, a King and a Merchant; on Cantatas BWV 205, 205a, 216 and 216a in: Understanding Bach, 2(2007) 19-36

Pallas (S), Pomona (A), Zephyrus (T), Aeolus (B)
1. CHOR

CHOR DER WINDE
Zerreißet, zersprenget, zertrümmert die Gruft,
Die unserm Wüten Grenze gibt!
Durchbrechet die Luft,
Dass selber die Sonne zur Finsternis werde,
Durchschneidet die Fluten, durchwühlet die Erde,
Dass sich der Himmel selbst betrübt!


2. REZITATIV (B)

AEOLUS
Ja! ja!
Die Stunden sind nunmehro nah,
Dass ich euch treuen Untertanen
Den Weg aus eurer Einsamkeit
Nach bald geschlossner Sommerszeit
Zur Freiheit werde bahnen.
Ich geb euch Macht,
Vom Abend bis zum Morgen,
Vom Mittag bis zur Mitternacht
Mit eurer Wut zu rasen,
Die Blumen, Blätter, Klee
Mit Kälte, Frost und Schnee
Entsetzlich anzublasen.
Ich geb euch Macht,
Die Zedern umzuschmeißen
Und Bergegipfel aufzureißen.
Ich geb euch Macht,
Die ungestümen Meeresfluten
Durch euren Nachdruck zu erhöhn,
Dass das Gestirne wird vermuten,
Ihr Feuer soll durch euch erlöschend untergehn.


3. ARIA (B)

AEOLUS
Wie will ich lustig lachen,
Wenn alles durcheinandergeht,
Wenn selbst der Fels nicht sicher steht,
Und wenn die Dächer krachen,
So will ich lustig lachen!


4. REZITATIV (T)

ZEPHYRUS
Gefürcht'ter Aeolus,
Dem ich im Schoße sonsten liege
Und deine Ruh vergnüge,
Lass deinen harten Schluss
Mich doch nicht allzufrüh erschrecken;
Verziehe, lass in dir,
Aus Gunst zu mir,
Ein Mitleid noch erwecken!

5. ARIA (T)

ZEPHYRUS
Frische Schatten, meine Freude,
Sehet, wie ich schmerzlich scheide,
Kommt, bedauert meine Schmach!
Windet euch, verwaisten Zweige,
Ach! ich schweige,
Sehet mir nur jammernd nach!


6. REZITATIV (B)

AEOLUS
Beinahe wirst du mich bewegen.
Wie? seh ich nicht Pomona hier
Und, wo mir recht, die Pallas auch bei ihr?
Sagt, Werte, sagt, was fordert ihr von mir?
Euch ist gewiss sehr viel daran gelegen.

7. ARIA (A)

POMONA
Können nicht die roten Wangen,
Womit meine Früchte prangen,
Dein ergrimmtes Herze fangen,
Ach, so sage, kannst du sehn,
Wie die Blätter von den Zweigen
Sich betrübt zur Erde beugen,
Um ihr Elend abzuneigen,
Das an ihnen soll geschehn!


8. REZITATIV (S, A)

POMONA
So willst du, grimmger Aeolus,
Gleich wie ein Fels und Stein
Bei meinen Bitten sein?

PALLAS
Wohlan! ich will und muss
Auch meine Seufzer wagen,
Vielleicht wird mir,
Was er, Pomona, dir
Stillschweigend abgeschlagen,
Von ihm gewährt.

PALLAS, POMONA
Wohl! wenn er gegen mich/dich sich gütiger erklärt.


9. ARIA (S)

PALLAS
Angenehmer Zephyrus,
Dein von Bisam reicher Kuss
Und dein lauschend Kühlen
Soll auf meinen Höhen spielen.
Großer König Aeolus,
Sage doch dem Zephyrus,
Dass sein bisamreicher Kuss
Und sein lauschend Kühlen
Soll auf meinen Höhen spielen.

10. REZITATIV (S, B)

PALLAS
Mein Aeolus,
Ach! störe nicht die Fröhlichkeiten,
Weil meiner Musen Helikon
Ein Fest, ein' angenehme Feier
Auf seinen Gipfeln angestellt.

AEOLUS
So sage mir,
Warum dann dir
Besonders dieser Tag so teuer,
So wert und heilig fällt?
O Nachteil und Verdruß!
Soll ich denn eines Weibes Willen
In meinem Regiment erfüllen?

PALLAS
Mein Müller, mein August,
Der Pierinnen Freud und Lust

AEOLUS
Dein Müller, dein August!

PALLAS
Und mein geliebter Sohn,

AEOLUS
Dein Müller, dein August!

PALLAS
Erlebet die vergnügten Zeiten,
Da ihm die Ewigkeit
Sein weiser Name prophezeit.

AEOLUS
Dein Müller! dein August!
Der Pierinnen Freud und Lust
Und dein geliebter Sohn,
Erlebet die vergnügten Zeiten,
Da ihm die Ewigkeit
Sein weiser Name prophezeit?
Wohlan! ich lasse mich bezwingen,
Euer Wunsch soll euch gelingen.

11. ARIA (B)

AEOLUS
Zurücke, zurücke, geflügelten Winde,
Besänftiget euch!
Doch wehet ihr gleich,
So weht doch itzund nur gelinde!

12. REZITATIV (S, A, T)

PALLAS
Was Lust!

POMONA
Was Freude!

ZEPHYRUS
Welch Vergnügen!

ALLE
Entstehet in der Brust,
Dass sich nach unsrer Lust
Die Wünsche müssen fügen.

ZEPHYRUS
So kann ich mich bei grünen Zweigen
Noch fernerhin vergnügt bezeigen.

POMONA
So seh ich mein Ergötzen
An meinen reifen Schätzen.

PALLAS
So richt ich in vergnügter Ruh
Meines Augusts Lustmahl zu.

POMONA, ZEPHYRUS
Wir sind zu deiner Fröhlichkeit
Mit gleicher Lust bereit.


13. ARIA (A, T)

POMONA
Zweig und Äste
Zollen dir zu deinem Feste
Ihrer Gaben Überfluss.

ZEPHYRUS
Und mein Scherzen soll und muss,
Deinen August zu verehren,
Dieses Tages Lust vermehren.

POMONA, ZEPHYRUS
Ich bringe die Früchte/mein Lispeln mit Freuden herbei,

BEIDE
Dass alles zum Scherzen vollkommener sei.


14. REZITATIV (S)

PALLAS
Ja, ja! ich lad euch selbst zu dieser Feier ein:
Erhebet euch zu meinen Spitzen,
Wo schon die Musen freudig sein
Und ganz entbrannt vor Eifer sitzen.
Auf! lasset uns, indem wir eilen,
Die Luft mit frohen Wünschen teilen!


15. CHOR

Vivat August, August vivat!
Sei beglückt, gelehrter Mann!
Dein Vergnügen müsse blühen,
Dass dein Lehren, dein Bemühen
Möge solche Pflanzen ziehen,
Womit ein Land sich einstens schmücken kann.

omhoog


© Eduard van Hengel